Kleiner Aufwand – große Hilfe

Julia (31) und Jeannine (23) im Interview über ihre Ehrenamt im interkulturellen Online-Tandem-Projekt der Malteser

Wie seid ihr auf das neue Projekt der Malteser aufmerksam geworden?

Julia:         Ich habe das Integrationsprojekt „Nice to meet you“ 2015 in Mannheim mitbegründet und bin die Projektleiterin dort. So kam der Kontakt mit der Malteser Integrationshilfe zustande. Das neue Online-Tandem fand ich gleich spannend. Während wir bei „Nice to meet you“ eher Gruppentreffen zum ersten Kennenlernen organisieren, bietet das Tandem die Möglichkeit, sich ganz individuell mit einer Person aus einer anderen Kultur auszutauschen. Wegen Corona waren unsere Treffen auch gar nicht möglich und bei der Arbeit war es ruhiger. Die Zeit wollte ich gerne sinnvoll nutzen.

Jeannine:    Ich habe von Julia vom Projekt erfahren. Da ich nach meinem Studium aus Mannheim weggezogen bin, ist das Online-Tandem eine gute Möglichkeit, um mich weiterhin mit Geflüchteten auszutauschen und sozial aktiv zu sein.

Wie muss man sich als Außenstehender ein Online-Tandem vorstellen?

Julia:    Meine Tandem-Partnerin ist Samira* (20) aus dem Iran. Da Samira sich noch unsicher in der deutschen Sprache fühlt findet der Kontakt schriftlich über Whats App statt. Wir schreiben uns so etwa alle zwei Tage. Manchmal tauschen wir uns über alltägliche Dinge wie unser Lieblingsessen aus dem Heimatland aus und manchmal geht es auch um ernstere Angelegenheiten. Neulich musste Samira mit einer Verwandten ins Krankenhaus und sie hat mich gefragt wie das in Deutschland abläuft und was sie wo sagen kann. Ich habe ihr dann beim Übersetzen geholfen.

Jeannine:     Ich tausche mich etwa einmal die Woche für eine Stunde ziemlich intensiv mit Amin* aus Afghanistan per Video-Call aus. Da er sehr gut Deutsch spricht, haben wir bisher jede Woche nach einem Thema gesucht, über das wir sprechen und diskutieren können. Zum Beispiel die Nachrichten, Corona und das Konsumverhalten unserer Gesellschaft. Oder wir sprechen über einen Film. Wie das Tandem sich gestaltet, hängt sehr von den jeweiligen Tandempartnern, den Deutschkenntnissen und persönlichen Interessen ab – bei einem anderen Team könnte das ganz anders aussehen.

Was gefällt euch besonders gut an dem Ehrenamt im Online-Tandem?

Jeannine:    Mir gefällt der individuelle Austausch mit einer Person als Alternative zur Gruppe. Die persönliche Sicht anderer auf die Geschehnisse und die Gesellschaft zu hören. Gerade wegen den verschiedenen kulturellen Hintergründen gibt es manchmal unterschiedliche Ideen und Wahrnehmungen, und das finde ich spannend. Es ist auch interessant, den Tandempartner persönlich besser kennenzulernen und herauszufinden, was ihn interessiert, seine Geschichte und seine Erfahrungen in Deutschland zu hören.

Julia:    Der Austausch mit anderen Kulturen und Menschen ist für mich immer sehr bereichernd. Beim Online-Tandem finde ich es super, dass wir den Kontakt flexibel und pragmatisch gestalten können wie es uns gerade in den Alltag passt. Einen festen Termin wollte ich in meinen Kalender eigentlich nicht mehr packen, das wäre mir einfach zu viel. Aber auch nach einem stressigen Tag bei der Arbeit kann man abends noch ein paar Zeilen schreiben. Es ist toll zusehen, dass ich Samira mit wenig Zeitaufwand eine große Hilfe sein kann.

Möchtet ihr den Austausch perspektivisch auch persönlich fortführen?

Julia:     Samira fühlt sich in dem schriftlichen Austausch aktuell wohler. Wo sie einfach noch darüber nachdenken kann was sie schreibt oder was sie nachschlagen kann. Ich habe ihr vorgeschlagen, dass wir uns mal zu einem Spaziergang treffen können, aber ich habe das Gefühl, sie traut sich noch nicht. Ich habe die Hoffnung, dass wir, wenn sie sich sicherer fühlt, unsere Beziehung zueinander ausbauen können.

Jeannine:    Leider wohne ich nicht mehr in der Gegend, sodass ein persönliches Treffen nicht möglich ist. Für Studenten und andere Interessierte, die vor Ort sind, fände ich es aber eine gute Idee, sich persönlich zu treffen, gemeinsam etwas in der Region zu unternehmen und gelegentlich Treffen mit den anderen Tandems zu planen. So könnten noch mehr und beständige Freundschaften entstehen.

Könnt ihr ein Ehrenamt im Online-Tandem-Projekt weiterempfehlen?

Jeannine:     Ich kann das Angebot sehr weiterempfehlen, da der Austausch dabei helfen kann, uns und unsere Umgebung anders wahrzunehmen, weil man der Meinung eines anderen aktiv zuhört und sich Zeit zum Diskutieren nimmt. Für Leute, die im Alltag eher selten auf andere zugehen, kann ein Tandem auch eine gute Möglichkeit sein, um sich aktiv in der Gesellschaft einzubringen und spannende Kontakte zu knüpfen.

Julia:     Ich kann das wirklich jedem empfehlen, der ein Stück weit offen ist und Lust hat, in Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturen zu treten. Auch wenn man vielleicht für ein abendfüllendes Ehrenamt aktuell nicht so Zeit hat. Die Intensität und Häufigkeit des Austauschs können die Tandems selbst bestimmen, das ist super. 

Interesse? Dann melden Sie sich gerne bei:
Claudia Sauerborn

Koordinatorin der Malteser interkulturellen Begegnungsstätte (MiB)
Handy: 0160/1532178
Email: claudia.sauerborn@malteser.org

Über die Malteser Integrationshilfe in Ludwigshafen:
Die „Malteser interkulturellen Begegnungsstätte“ (MiB) in Ludwigshafen will Menschen mit und ohne Migrationshintergrund näher zusammenbringen. In vielfältigen Projekten können sich interessierte Ludwigshafener unterschiedlicher Kulturen kennenlernen und austauschen. Die MiB wird vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat finanziell gefördert und in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge durchgeführt. 

*Name von der Redaktion geändert